Am 5. Oktober feierte die neuapostolische Gemeinde Bad Homburg das Erntedankfest. Der Altar und der Bereich davor waren hierzu mit einer bunten Vielfalt an Blumen, Feldfrüchten und weiteren Gaben geschmückt. Rund um das Erntedankfest wurden Sachspenden für die Tafel Bad Homburg gesammelt, die im Foyer der Kirche aufgebaut waren.
Die Predigt des diesjährigen Erntedankgottesdienstes stand unter der Überschrift „Der alte und der neue Mensch“ und basierte auf dem Bibelwort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser, Kapitel 3, Vers 17: „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“
Chorgesang und freies Musizieren
Der Gottesdienst wurde musikalisch vom Gemeindechor, aber auch von Instrumentalisten umrahmt, die nicht unbedingt zum festen Orchesterensemble der Gemeinde gehörten.
Geschichte und Tradition des Erntedankfestes
Geleitet wurde der Gottesdienst vom Gemeindevorstehervertreter. Der Priester begann seine Predigt mit dem Hinweis, dass das Erntedankfest bereits im 3. Jahrhundert erstmals gefeiert worden sei und sich dieser Brauch praktisch auf der ganzen Welt verbreitet habe.
Er erinnerte sich daran, dass die Gemeindemitglieder in seiner Kindheit die um den Altar ausgebreiteten Gaben nach dem Gottesdienst mit nach Hause nehmen durften. Das fände in diesem Maße heute meist nicht mehr statt, aber auch heute könne und solle sich jeder Teilnehmer im übertragenen Sinn etwas aus dem Gottesdienst „mitnehmen“.
Dankbarkeit zeigen
Zu diesem Leitgedanken formulierte der Priester drei Fragen:
Die erste Frage lautete: Bist du überhaupt zur Dankbarkeit fähig?
In diesem Zusammenhang sprach er davon, dass wohl niemand der Anwesenden chronisch undankbar oder gar neidisch bzw. eifersüchtig auf das sei, was ein anderer habe, und dass niemand seine Augen vor dem Guten verschließe, das er von Gott bekommen habe. Und doch könne es Situationen und Phasen im Leben geben, in denen es einem schwerfalle, „Danke“ zu sagen.
Hierzu präsentierte er eine Doppelseite aus dem Kirchenmagazin „neuapostolisch“ aus dem Oktober 2024 zum Thema „Danken und Dankbarkeit“. Darin seien Zitate von Stammaposteln zum Thema Dankbarkeit auch in schwierigen Lebensumständen abgedruckt gewesen. Stammapostel Bischoff sei beispielsweise mit der Aussage zitiert worden, dass man in Lebensverhältnisse geraten könne, die es einem unmöglich machten, dafür zu danken. Hierzu zählten Krankheit, Unfall oder auch übelste Bedrängnis. Und trotzdem könne man später nach reiflicher Überlegung und entsprechender Lebenserfahrung dankbar werden.
Die zweite Frage lautete: Wofür bist du dankbar?
Zu dieser Frage nahm der Priester Bezug auf das Ergebnis zweier Forsa-Umfragen, die die Neuapostolische Kirche in den letzten Jahren in Auftrag gegeben habe – demnach seien nur 1 Prozent der Befragten für ihren Glauben dankbar gewesen. Ein denkbar schlechtes Ergebnis, das aber nicht frustrieren, sondern anspornen solle, daran im eigenen Umfeld aktiv etwas zu ändern – in Worten und Werken zu zeigen, dass man gläubiger Christ sei, der Jesus ähnlicher werden möchte.
Im Folgenden nahm der Priester Bezug auf das Kinderlied „Hast du heute schon danke gesagt?“ In dem Text fordere die Liederdichterin auf, für ein Dach über dem Kopf, ein Bett, Freunde sowie Brot und Milch dankbar zu sein. Am Ende des Liedes heiße es dann als eine Art Belohnung für die Gott entgegengebrachte Dankbarkeit: „Und weißt du auch schon, dass Jesus dich mag, dass er mit dir geht von Tag zu Tag?“
Die dritte Frage lautete: Wo und wie zeigst du Dankbarkeit?
In diesem Zusammenhang dankte der Priester jedem Einzelnen für dessen Einsatz, Engagement und die vielen Zeit- und Geldopfer und machte dabei deutlich, dass dies alles Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber Gott darstelle. Der Priester appellierte an die Gemeindemitglieder, dass Gebete nicht nur Dankesfloskeln enthalten und ansonsten von Bitten überladen sein sollten.
Der Priester beendete seine Predigt mit einem Zitat Stammapostel Lebers: „Es möge im Volk Gottes eine Atmosphäre, eine Kultur der Dankbarkeit und Freude sein“.
Dankbarkeit kann man auf verschiedene Arten zeigen
Ein weiterer Priester wandte sich in seinem Predigtbeitrag insbesondere an die Kinder in der Gemeinde und rief sie dazu auf, Dankbarkeit zu zeigen, indem sie kompromiss- und versöhnungsbereit seien. Um dies zu verdeutlichen, hielt er den Kindern zwei Bilder hin, die entsprechende Situationen abbildeten.
Die Schöpfungsgeschichte in Bewegungen
Nach dem Gottesdienst führten die Kinder der Gemeinde die Schöpfungsgeschichte in „Bewegungen“ vor, um auch den Dank, der Kerngedanke des gesamten Gottesdienstes war, für die gesamte Schöpfung zum Ausdruck zu bringen. Die gesamte Gemeinde war eingeladen, an der Aktion teilzunehmen. Die Schöpfungsgeschichte wurde von einer Lehrkraft vorgelesen, und die Kinder unterstrichen das Gesagte mit Gesten. So hielten sie sich zu Beginn die Augen zu, denn es war noch dunkel. Es wurden die Sonne und der Mond in Kreisen gebildet, Finger wurden zu glitzernden Sternen, die Arme für das Wasser in Wellen bewegt, Hände wurden zu Blumen und dann zu Kissen für die guten Träume. Der Vortrag endete mit dem Satz: „Zum Schluss schuf Gott den Menschen und sagte: ‚Dich liebe ich‘ – und dafür sind wir dankbar.“ Die Hände der Kinder wurden fest ans Herz gedrückt und dann zu dankenden Händen geformt. Die Gemeinde nahm rege an den Bewegungen teil, und so endete der diesjährige Erntedankgottesdienst mit viel Bewegung und freudigen Gesichtern bei Jung und Alt.
Gemeinsamer Ausklang
Nach dem Gottesdienst gab es, wie an jedem ersten Sonntag im Monat, die Gelegenheit zu einem gemütlichen Austausch bei Getränken und kleinen Leckereien, wovon rege Gebrauch gemacht wurde.
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