Zwischen historischen Häusern und weitläufigen Wiesen werden im Hessenpark seltene und bedrohte Nutztierrassen gehalten, die einst zum Alltag auf dem Land gehörten. Wo Altsteirer-Hühner gackern und Sattelschweine im Schlamm wühlen, wird Geschichte anschaulich. Am 22. August 2026 besuchte eine rund 30-köpfige Gruppe der Neuapostolischen Kirchengemeinde Frankfurt-Höchst das Freilichtmuseum.
Im Rahmen der 90-minütigen Führung „Das liebe Vieh – von Tieren und Menschen auf dem Land“ zeigte Museumsführerin Sophie Stelker, wie das Leben und Arbeiten auf dem Land früher aussah.
Die Gruppe besichtigte historische Gebäude – darunter den Tante-Emma-Laden von Hugo Leibbrand, aus dem später der erste HL-Markt hervorging. Auch eine historische Schule und ein Einraumhaus gehörten zum Rundgang.
Dabei erläuterte die Museumsführerin, unter welchen Bedingungen die Menschen früher lebten und wie hoch die Sterblichkeit in vergangenen Zeiten war. An den historischen Fachwerkhäusern machte sie zudem auf eine architektonische Besonderheit aufmerksam: den sogenannten „Hessenmann“, eine charakteristische Fachwerkfigur, die zu den typischen Gestaltungselementen historischer Häuser in Hessen gehört.
Spuren des früheren Lebens
Einen Einblick in traditionelles Handwerk bot ein Korbflechter, den die Gruppe bei seiner Arbeit beobachten konnte. Eher zufällig ergab sich auch die Gelegenheit, das Stelzenlaufen auszuprobieren. Während die Kinder erste Schritte wagten, zeigte der ehemalige Vorsteher der Kirchengemeinde Frankfurt-Höchst, dass er diese Kunst noch immer beherrscht.
Auch in Redewendungen finden sich Spuren des früheren Landlebens. Eine davon: „stinkreich“. Die Museumsführerin erläuterte dazu die volkstümliche Erklärung aus dem bäuerlichen Alltag: Wer viele Tiere besaß, hatte einen großen Misthaufen und damit wertvollen Dünger für seine Felder.
Tiere, die Geschichte erzählen
Der Hessenpark engagiert sich als Arche-Park für den Erhalt alter Haustierrassen. Auf dem Gelände werden verschiedene bedrohte Nutztierrassen gehalten und gezüchtet.
Anhand anschaulicher Beispiele erläuterte die Museumsführerin, welche Bedeutung Tiere früher für das Leben auf dem Land hatten. Sie waren Arbeitskraft, lieferten Nahrung und stellten zahlreiche Produkte für den täglichen Bedarf bereit.
Die Besucher konnten die Altsteirer-Hühner beobachten, während eine Sattelschweinmutter mit ihren Ferkeln gelassen im Schlamm wühlte. Besonders die Kinder schauten den Tieren aufmerksam zu und nahmen sich Zeit, sie aus nächster Nähe zu entdecken.
Geschichte klingt nach
Ihren Abschluss fand die Führung in der historischen Kirche des Hessenparks. Gemeinsam sang die Gruppe das Lied „Der Herr ist mein Licht“. Anschließend rief Sophie Stelker zu einer Schweigeminute auf, bevor sie die Führung beendete.
Zum gemeinsamen Mittagessen traf sich die Gruppe im Wirtshaus des Hessenparks „Zum Adler“.
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