Am 2. März 2025 feierte die Gemeinde Bad Homburg den Gottesdienst für Entschlafene. Im Mittelpunkt stand die Liebe und Gnade Gottes, die allen Menschen gilt – den Lebenden und den Verstorbenen. Eine eindrucksvolle Kinderaktion und die musikalische Gestaltung gaben dem Gottesdienst eine besondere Tiefe.
Der Gottesdienst begann mit dem Gedanken der Wechselwirkung zwischen dem Angebot Gottes und der Antwort des Menschen: Gott bietet Gnade, Barmherzigkeit und Erlösung an – aber es liegt am Menschen, sich ihm zuzuwenden, seine Nähe zu suchen und dieses Angebot anzunehmen.
Dieser Gedanke kam bereits im Eröffnungslied des Chores „Herr, ich komme zu dir“ zum Ausdruck. Das Lied beinhaltet den Wunsch, vertrauensvoll vor Gott zu kommen, ihm nahe zu sein und sich von ihm erneuern zu lassen. Ebenso beschreibt der Liedtext, wie der Mensch mit seinen Sorgen und Belastungen vor Gott tritt und darum bittet, dass alles, was ihn von Gott trennt, beiseite geräumt wird.
Ein Feiertag, kein Trauertag
Diese Gedanken griff der Gemeindevorsteher in seiner Predigt auf. Ein Gottesdienst für Entschlafene sei kein Anlass zur Trauer, sondern eine Feier der Liebe und Gnade Gottes. Der Predigt lag Psalm 107, 19+20 zugrunde: „Die dann zum Herrn riefen in ihrer Not und er half ihnen aus ihren Ängsten. Er sandte sein Wort und machte sie gesund und errettete sie, dass sie nicht starben." Wie das Chorlied dazu ermutigt, sich Gott ganz anzuvertrauen, so machte die Predigt deutlich: Gottes Heil und Erlösung stehen allen offen – auch den Seelen im Jenseits, die sich ihm zuwenden. Durch Glauben und Buße kann jeder, der will, Heil und Gnade in Jesus Christus erfahren.
Die Kinder machen das Unsichtbare sichtbar
Parallel zum Gottesdienst beschäftigten sich die Kinder der Gemeinde im gemeinsamen Unterricht mit dem Thema „Unsichtbares“ – Dinge, die wir nicht direkt sehen können, die aber trotzdem existieren.
Die Lehrkräfte eröffneten den Unterricht mit der Frage: „Kennt ihr etwas, das es gibt, das man aber nicht sehen kann?“ Spontan fielen den Kindern Begriffe wie Wind, Traurigkeit, Gott, Gebet und Ungerechtigkeit ein.Gemeinsam erarbeiteten sie weitere ‚unsichtbare' Begriffe wie Hilfsbereitschaft, Liebe und Vertrauen – bis hin zur Seele des Menschen.
Gottes Einladung gilt allen Menschen
Nach der Predigt kamen die Kinder mit ihren zuvor gebastelten Fußabdrücken aus buntem Papier in das Kirchenschiff. In stiller und feierlicher Atmosphäre klebten sie diese auf den Boden des Mittelganges – vom Eingang bis zum Altar. Die bunten Fußabdrücke symbolisierten die Seelen der Verstorbenen, die das Heilsangebot Jesu annehmen und zu ihm kommen können.
Die architektonische Gestaltung des Kirchenraumes unterstreicht diese Symbolik zusätzlich: Der blaue Fliesenspiegel, der sich vom Altar aus durch das gesamte Gebäude zieht, steht für den Strom des Lebens – ein Sinnbild für den Segen und die Zuwendung Gottes zu den Menschen. Der hölzerne Altar der Kirche symbolisiert darüber hinaus in stilisierter Form die segnende und schützende Hand Gottes als Ursprung dieses Stromes.
Feier des Heiligen Abendmahls und Gebet für die Entschlafenen
Nach diesen bewegenden Momenten feierte die Gemeinde das Heilige Abendmahl. Es folgte das gemeinsame Fürbittgebet für die Verstorbenen. In ergreifender Stille gedachten die Gottesdienstbesucher der Seelen im Jenseits und trug ihre Gebete für sie vor Gott.
Vielfältige musikalische Gestaltung
Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Gemeindechor sowie von Fagott- und Klaviervorträgen. Ein weiterer Höhepunkt war das ‚Offene Mitspielen‘: Alle Gemeindemitglieder, die ein Instrument spielen, waren eingeladen, den Gemeindegesang zu begleiten.
Ein besonders berührender Moment war das gemeinsame Lied zur Feier des Heiligen Abendmahls: „Mir ist wohl in dem Herrn“. Es schuf eine besondere Atmosphäre der Andacht und des Trostes.
Gemeinschaft und Austausch nach dem Gottesdienst
Im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst gab es bei Kaffee und Imbiss die Möglichkeit zum Austausch und zur Begegnung. In dieser offenen und herzlichen Gemeinschaft fand der besondere Gottesdienst einen würdigen Abschluss.
Hintergrund: Gottesdienst für Entschlafene
Dreimal im Jahr – jeweils am ersten Sonntag im März, Juli und November – gedenken neuapostolische Christen weltweit in besonderen Gottesdiensten der Verstorbenen. Dabei wird für die Seelen im Jenseits gebetet und die Sakramente werden gespendet. Grundlage ist der Glaube, dass Jesus Christus Herr über Lebende und Tote ist und sein Heilshandeln allen Menschen gilt.
Mehr über das Entschlafenenwesen in der Neuapostolischen Kirche erfahren Sie im Katechismus:
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