Am Mittwoch, den 29. Oktober 2025, fand in der Gemeinde Frankfurt-Nord ein besonderer Gottesdienst statt: Priester Harald Streck aus Neu-Isenburg wurde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Da Apostel Gert Opdenplatz kurzfristig erkrankt war, leitete Bezirksvorsteher Hirte Christopher Groß den Gottesdienst.
Schon beim Eingangslied „Jesu, Heiland meiner Seele“ – einem Wunschlied des scheidenden Priesters – war die Dankbarkeit und Verbundenheit der Gemeinde deutlich spürbar.
Vertrauen als Weg zur Freiheit
Das Bibelwort aus Psalm 25,20 – „Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!“ – stellte Hirte Groß in den Mittelpunkt seiner Predigt. Er spannte den Bogen zum Chorlied „Gott hab vor Augen“ und sprach über den inneren Konflikt des Menschen zwischen Wissen und Handeln: „Wir wissen, was gut ist – und doch handeln wir oft anders. Dadurch verlieren wir den Frieden in uns selbst." Fehler könne man nicht schönreden, so der Hirte, und manchmal falle es schwer, sie zuzugeben. Doch gerade in dieser Erkenntnis liege der Anfang der Gnade: „Jesus sieht dein Bemühen – und er will dir helfen.“ Er fragte eindringlich: „Öffnen wir unsere Herzen? Sehen wir die Tür, durch die Jesus eintreten möchte, oder versperren wir sie durch eigene Vorstellungen und Zweifel?“
Am Beispiel des Pharisäers und des Zöllners zeigte er, wie Demut den Weg zu Gott ebnet. Der Pharisäer konnte viel vorweisen, aber es fehlte ihm an Nächstenliebe und an der Einsicht, auf Gnade angewiesen zu sein. Der Zöllner hingegen schlug sich an die Brust – er gab sein Herz hin. „Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden“, so das Fazit. Hirte Groß zitierte in diesem Zusammenhang Bezirksapostel Koberstein: „Ich bin gerne von der Gnade abhängig.“ – und er fügte hinzu: „Setzen wir doch alles auf die Gnade! Sie ist das, was uns frei macht.“
Gedanken von Priester Streck
Nach dem Vortrag des Chorliedes "Der Herr ist mein Hirte" griff Priester Streck das Bild der Herde auf und ermutigte dazu, in der Gemeinschaft ehrlich, vertrauensvoll und ohne Angst vor Gott zu leben. „Wir sind geliebte Kinder unseres Vaters – und er will uns nur Gutes tun“, sagte er. Er erzählte offen von eigenen Fehlern und ermutigte, sich nicht vom Gedanken eines strafenden Gottes leiten zu lassen.
Die 10 Gebote seien der ethische Rahmen, in dem man zu einem reinen Gewissen und zu wahrer Liebe finde. „Jesus war frei, weil er nicht verurteilt hat“, resümierte Streck – und rief dazu auf, ebenfalls urteilsfrei und vertrauensvoll zu leben.
Ruhesetzung nach 40 Jahren Amtszeit
Nach dem Abendmahl erfolgte die feierliche Ruhesetzung von Priester Harald Streck durch Hirte Groß. In seiner Ansprache würdigte er Strecks über 40-jährige Amtszeit, davon 34 Jahre als Priester in mehreren Gemeinden, zuletzt in Neu-Isenburg und zuvor in Seligenstadt und Hanau-Steinheim.
Er hob Strecks Herzenswärme sowie seine Ausgeglichenheit und Rolle als Brückenbauer hervor und erinnerte an das Eingangslied des Gottesdienstes: „Jesu, Heiland meiner Seele“ und insbesondere an die Zeile „Lass, o lass mich nicht alleine“, die ihn sein Leben lang begleitet habe. „Möge dieser Wunsch auch weiterhin dein Gebet sein“, so der Bezirksvorsteher zum Abschluss.
30. Oktober 2025
Text:
Bianca Kuhfuss
Fotos:
Jessica Krämer
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