Jahrtausendealte Worte in moderner, schnelllebiger Zeit und ihr Bezug zu Nächstenliebe und Selbstannahme standen im Mittelpunkt eines Gottesdienstes mit Apostel Opdenplatz in Frankfurt West, zu dem insgesamt sieben Gemeinden eingeladen waren. Als Grundlage diente das Bibelwort aus Jakobus 2,8: „Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‘, so tut ihr recht.“
Apostel Opdenplatz begann seine Predigt mit einem inspirierenden Gedanken: Es sei erstaunlich, dass sich so viele Menschen auf den Weg gemacht haben, um in einem über 100 Jahre alten Kirchengebäude eine Predigt über ein 2000 Jahre altes Bibelwort zu hören, das sich wiederum auf ein nochmals gut 500 Jahre älteres Gebot aus der Zeit Moses bezieht. Dies zeige die tiefe Gewissheit der Gläubigen, dass sich die Begegnung mit Gott immer lohnt – völlig unabhängig von der eigenen Stimmung oder Lebenslage.
Als Impuls riet der Apostel, in der heutigen, schnelllebigen Zeit bewusst darauf zu achten, dass der eigene Glaube nicht ebenso schnelllebig wird, wie der Alltag.
Liebe dich selbst, wie Gott dich liebt
Gott möchte, dass wir unseren Nächsten und uns selbst lieben. Der Maßstab dafür ist seine Liebe zu uns. Unser Wert definiert sich weder durch Erfolg oder Scheitern noch durch die Meinung anderer Menschen. Er bemisst sich allein an Gottes unendlicher und bleibender Liebe. Gott liebt dich und Jesus hat sein Opfer auch für dich gebracht – „Du bist wertvoll, weil Gott dich liebt!“ , darum habe jeder Veranlassung sich selbst zu lieben.
Nächstenliebe im Alltag aktiv teilen
Gleichzeitig sei es Aufgabe, die erfahrene göttliche Liebe aktiv an die Mitmenschen weiterzugegeben, sich dem Nächsten zuzuwenden, denn Liebe könne jeder teilen, auch der Ärmste. Die Liebe zum Nächsten zeige sich dabei ganz konkret im Alltag – im Blick aufeinander, im füreinander Einstehen und im gemeinsamen Bemühen um Gemeinschaft mit Gott. Das gelingt, wenn man jeden Menschen – ungeachtet seiner Eigenschaften oder Handlungen – mit den Augen Christi sehe: als geliebtes Geschöpf Gottes und als eine Seele, der Rettung verheißen ist.
Das bekannte Sprichwort „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“ lässt sich positiv umkehren: Schenke deinem Nächsten genau das, was du dir selbst von Herzen wünschst.
Herzensbedürfnis – gelebte Umarmung
In weiteren Predigtzugaben wurde noch einmal vertieft, dass Liebe mehr ist, als sich lieb zu haben, und stets zu aktivem Handeln antreibe. Positive Gefühle schaffen Begegnungen und entwickeln sich zu einer verbindenden Herzenssprache. Als Veranschaulichung diente ein Blick nach Brasilien, wo es üblich ist, Briefe oder E-Mails mit der herzlichen Grußformel „Um abraço“ (Eine Umarmung) zu schließen. Sinnbildlich solle es für Christen ein tiefes Herzensbedürfnis sein, einander in Wort und Tat „zu umarmen“ und Beistand zu leisten.
Wegweiser für die Praxis
Wer sich weiterhin frage, “Was sollen wir tun?“, dem sei das Bibelwort aus Apostelgeschichte 2,42 ein zuverlässiger Wegweiser: „Beständig bleiben in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet.“ Dieser Dreiklang aus Gemeinschaft, Abendmahl und Gebet ist Garant für ein gelebtes christliches Miteinander.
Festlicher Rahmen und Versöhnung
Musikalisch getragen wurde der gesamte Gottesdienst durch Gemeindegesang, den Chor sowie ein 30-köpfiges Orchester, das sich aus Mitgliedern aller sieben teilnehmenden Gemeinden zusammensetzte. Alle Musikbeiträge priesen die Liebe Gottes.
Als geistliche Vorbereitung auf die Sündenvergebung und das Heilige Abendmahl diente die Erkenntnis, dass die Liebe zu Gott und zum Nächsten untrennbar mit der Bereitschaft zur Vergebung verknüpft ist. Wer bereit sei, anderen zu vergeben, finde letztlich auch selbst Gnade.
Heilige Versiegelung
Ein besonderer Höhepunkt des Gottesdienstes war die Spendung des Sakraments der Heiligen Versiegelung an Julius Feyerabend, den Sohn des Gemeindevorstehers von Friedberg und dessen Frau. Der Apostel betonte in diesem Zusammenhang, dass die Liebe Gottes dadurch wie ein Sturzbach in das Herz des Kindes ausgegossen worden sei – ein Zeichen dafür, dass Gott seinen Segen in reichem Maße schenke.
Segen zur silbernen Hochzeit
Nach dem Heiligen Abendmahl empfing noch ein Ehepaar den Segen zur silbernen Hochzeit. Apostel Opdenplatz widmete den Jubilaren das Wort aus Psalm 31,24.25: „Liebt den Herrn, alle seine Heiligen! Die Gläubigen behütet der Herr […] Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des Herrn harret!“
Den feierlichen Abschluss des Gottesdienstes bildete ein grandioser Vortrag der Arie „Mein gläubiges Herze“ aus der der Kantate „Also hat Gott die Welt geliebt“ BWV 68 von J. S. Bach in einer Bearbeitung für Sopran und Klavier.
18. Mai 2026
Text:
Regina Hoffmann
Fotos:
Jessica Krämer
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