Zur Vorbereitung auf den Gottesdienst für Entschlafene am folgenden Sonntag hielt Bischof Jürgen Kramer am 23. Februar 2020 in der Gemeinde Bad Vilbel den Gottesdienst mit einem Bibelwort aus Matthäus 5,44.45: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“.
Das Eingangslied des Chores „Kennst du den Freund ...“ veranlasste Bischof Kramer, den Begriff „kennen“ näher zu betrachten. Jemanden kennen, sagt sich so leicht daher, wenn man schon einmal von jemanden gehört oder ihn schon einmal gesehen hat. Aber „kennen“ beinhaltet viel mehr: Man muss sich miteinander beschäftigen, Gemeinschaft miteinander pflegen, wenn man jemanden wirklich kennenlernen will.
Nicht anders stellt sich das mit Jesus dar. Es reicht nicht, einmal von Jesus gehört zu haben, seine Erlebnisse in der Bibel zu erforschen. Jesus ist uns auch heute nahe im Wort, im ernsthaften Gebet, in der Vergebung der Sünden und insbesondere im Heiligen Abendmahl. „Will man Jesus erleben, ihn wirklich kennenlernen, gilt es das auszukaufen“, so der Bischof.
Feindesliebe
Das Bibelwort ruft die Menschen auf, ihren Feinden zu vergeben und sie zu lieben. Eine herausfordernde, in manchen Fällen eine schier unvorstellbare Aufgabe. Bischof Kramer erläuterte den Unterschied zwischen menschlichen Bemühen und Gottes unendlicher Liebe.
Man möge sich bewusst sein, dass ein jeder, der in Sünde fällt, sich von Gott entfernt und Gott trotzdem nicht aufhört ihn zu lieben. Gott sieht den Menschen nicht als einen Feind, sondern als einen Gefangenen des Bösen, den er befreien will.
So möge es das Bemühen eines Jeden sein, Menschen, die uns Böses antun, so zu vergeben, wie Gott jedem vergibt, der im ernsten Vorsatz steht zu verzeihen. Vergeben bedeutet, das Böse wegzugeben – nicht immer gelingt das. So sind auch im Jenseits viele, die darum ringen, das Böse wegzugeben.
Diese Aufgabe ist mehr als Sympathie oder menschliche Liebe. Göttliche Liebe und sein Heil haben eine größere Dimension. Dabei sei es hilfreich, sich folgende Gedanken zu machen: „Dieser Mensch hat Böses getan, aber er ist ein Opfer des Bösen. Bitten wir Gott diesen Menschen vom Bösen zu befreien. Durch unser Verhalten möge dieser Mensch, der Böses tut, Christus und seine Macht kennenlernen.“
Ein großer Trost liege darin, dass Gott das Bemühen ansieht und nicht das Ergebnis. Er allein kann denen Gnade schenken, die wirklich vergeben und seinen Willen tun wollen, auch dann, wenn sie es noch nicht fertiggebracht haben, zu vergeben.
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