Mit seiner Mail in der Vorwoche verkündete der Gemeindevorsteher die frohe Kunde: Nachdem sich eine Lücke in seinem Plan aufgetan hat, hält Bischof Kramer den Gottesdienst am 19. Oktober in unserer Gemeinde Frankfurt–West. Zugleich bat der Hirte, wie es in diesen Coronatagen üblich ist, um Anmeldung.
Das zugrunde gelegte Textwort 2. Korinther 4, 8 wählte der Bischof vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Zeit der Unsicherheit: „Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.“ Am Beispiel der Emmausjünger wird deutlich, wie Bedrängnis und Angst dazu führen können, sich vom Herrn abzuwenden, Vor allen Dingen aber sei wichtig, den Blick nicht allein auf das Irdische zu richten. Mehr noch: Wo der Fokus allein auf das Irdische gerichtet ist, schwindet die Notwendigkeit, Gott zu suchen, auch wird der Wert der Gemeinschaft geringer geschätzt. Die Gemeinschaft der Jünger um den Herrn bestand aus grundverschiedenen Personen, was der Bischof an Petrus und Paulus deutlich machte. Der eine ein Fischer, der andere ein Tuchmacher. Sie werden sich wohl weniger über ihre Berufe oder ihre Kenntnisse ausgetauscht haben. Jesus hat sie auch nicht in eine Interessengemeinschaft berufen, sondern in seine Nachfolge. Ist uns das heute bewusst, werden uns in unserer Gemeinde die menschlichen Unterschiede weniger wichtig, sondern der Ruf Gottes, unsere Erwählung.
In einer Bedrückung, die mit der unseren nicht zu vergleichen ist, sagt der Herr Jesus zu seinen Jüngern: „Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“ (Johannes 16, 32). In Gethsemane ließen die Jünger den Herrn allein, ja, sie schliefen, nach Lukas nicht aus Müdigkeit, sondern „vor Traurigkeit“. Und wie zeigte sich, dass der Vater bei ihm war? „Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.“ Auf seinem Weg nach Golgatha liest man nichts davon, dass seine Jünger um ihn waren - ein Fremder kam vom Feld und half Jesus, das Kreuz zu tragen. Und in den Stunden der Erniedrigung stärkte den Sohn Gottes die Kraft aus dem Heiligen Geist, der ja nicht nur eine künftige Dimension enthält, sondern auch eine aktuelle Wirkung entfaltet.
Daraus leitet der Bischof die Zuversicht ab: Mögen die gegenwärtigen Verhältnisse unbequem sein, der Vater lässt uns nicht allein. Wenn wir uns zu ihm halten, schickt er uns Engel. Das müssen nicht Männer mit Flügeln sein, das kann auch ein Kind sein, ein Fremder – oder die in uns hineingelegte Kraft des Heiligen Geistes. Beim Blick auf die vor uns liegende Woche machte er der Gemeinde Mut: Sei mal gespannt, welchen Engel der liebe Gott dir schickt!
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