Apostel Gert Opdenplatz diente am 28. Februar in der Gemeinde Frankfurt-Nord mit dem Bibelwort aus Lukas 18, 10. Stammapostel Jean-Luc Schneider hatte am vergangenen Sonntag das Bibelwort aus Lukas 18, 13 verwendet. Beide behandeln das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Im Gottesdienst durften sich alle über die Ordinierung von zwei Schwestern zu Diakoninnen freuen.
Bezugnehmend auf das Eingangslied des Chores: „Eins bitte ich vom Herrn“ (Chorbuch 354) fragte der Apostel, was denn einen schönen Gottesdienst ausmache. Zur Zeit der Bibel sei es aufgrund der Opfergaben eher ein Schlachtfest gewesen, bei dem jeder auch etwas Gutes zu Essen bekam. Heute mache einen schönen Gottesdienst aus, dass es gelinge, Christus in seiner Gegenwart zu erleben, die Liebe Gottes zu empfinden und sich über jeden zu freuen, der am Gottesdienst teilnehme.
Apostel Gert Opdenplatz gedachte zunächst der vielen Menschen, die sich in einer hoffnungslosen Situation befinden. So sei es auch dem Propheten Daniel ergangen, als er in der Löwengrube saß. Durch den Propheten Habakuk, der weit entfernt war, bereitete Gott damals Hilfe und Daniel sprach „Gott, du hast ja meiner gedacht“ und „du lässt die nicht im Stich, die dich lieben“. Gott denke an jeden, sowohl in der diesseitigen als auch der jenseitigen Welt. Wer Gott von Herzen liebe und in schwierige, ausweglos erscheinende Situationen gerate, möge sich an die Zusage halten: „Gott lässt die nicht im Stich, die ihn lieben“.
Pharisäer und Zöllner
Der Pharisäer und der Zöllner waren ganz unterschiedlich und kamen beide in den Tempel. Auch heute seien alle unterschiedlich gekommen. Jeder habe anders gebetet. Mancher sei vielleicht auf die letzte Minute gekommen und konnte gar nicht beten oder sei in Gedanken noch im Alltagsgeschehen verblieben.
Der Pharisäer dankte Gott, dass er nicht so sei wie die anderen, und führte seine Frömmigkeit an, um seine Gesetzestreue zu zeigen. Der Apostel führte aus, dass Jesus mit diesem Gleichnis sicher nicht sagen wollte, dass Gesetzestreue nicht gut sei. An anderer Stelle habe Jesus gesagt, dass er nicht gekommen sei, das Gesetz aufzuheben, sondern es zu erfüllen. Als er es erfüllt hatte, habe er ein neues Gesetz gegeben: „Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst.“
Der Zöllner wollte seine Augen nicht erheben, schlug an seine Brust und sagte: „Gott sei mir Sünder gnädig“. Dazu habe der Stammapostel am vergangenen Sonntag einen starken Satz geprägt: „Gott ist die Nächstenliebe wichtiger als religiöse Disziplin“. Entscheidend sei das Verhältnis zum Nächsten. Im Nächsten sei Jesus nah, selbst wenn es einer der Geringsten sei. Der Apostel führte aus, dass die Quintessenz aus diesem Gleichnis sei, demütig zu sein. Demut heiße nicht, sich selbst klein zu machen, sondern Gott in der richtigen Herzensstellung zu begegnen. Ihn als den Vollkommenen zu erkennen und sich selbst als unvollkommen wahrzunehmen, aber sich zu bemühen, nach Gottes Willen bestmöglich zu handeln.
Paulus habe in seinem Brief an die Kolosser darauf aufmerksam gemacht, dass die Menschen sich damals viele eigene Gebote und Regeln gemacht haben. Paulus erläuterte, dass menschliche Gebote und Lehren zwar einen Schein von Weisheit durch selbsterwählte Frömmigkeit und Demut erweckten, sie aber nichts wert seien. „Auch in unserer Kirche gab es Regeln, über die wir heute froh sind, dass wir sie nicht mehr haben“, sagte der Apostel. Man solle sich aber nicht über diese alten Regeln erheben und meinen, heute alles besser zu wissen. Stammapostel Schmidt habe einmal gesagt: „Hütet euch vor dem Pharisäer im Zöllner“.
Man meine, demütig zu sein und schaue doch auf die anderen herab. Demut sei eine Herzenseinstellung, die zeigt, dass man weiß, man ist unvollkommen. Man bleibe lernwillig, man richte und verachte den Nächsten nicht.
Apostel Opdenplatz berichtete von einem Trauergottesdienst für einen Alkoholabhängigen, der alles verloren habe – Ehe, Familie, Job. Der dienstleitende Bischof habe diesen Zustand mit einem Gefängnis verglichen. Niemand gehe freiwillig in ein Gefängnis. Man könne in solche Situationen hineingeraten und komme aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Man solle niemanden verachten, nur weil er menschlich schwach und in solche Gefängnisse hineingeraten sei. Das gelte auch für Menschen in der jenseitigen Welt.
Mitdienen und Vorbereitung zum Heiligen Abendmahl
Der mitdienende Priester ging noch einmal auf den Gedanken ein, dass keiner freiwillig in das Gefängnis gehe. Wie schnell schaue man aber auf andere herab, die andere Wege gehen und vielleicht keinen Zugang zu Jesus Christus haben. Die Sicht auf Jesus sei versperrt. Auch im Hinblick auf den Gottesdienst für Entschlafene möge man darum bitten, dass solche Seelen wieder sehen und aus diesem Gefängnis heraustreten können. Wie schnell könne es gehen, dass man Jesus nicht mehr erkennt. „Lasst uns immer wieder darum ringen, diesen Zugang zu Gott zu finden, sich dabei selbst anschauen und demütigen. Das ist uns nicht möglich, wenn wir mit breiter Brust in den Gottesdienst kommen und darüber nachdenken, was wir Tolles geleistet haben“, sagte der Priester.
Der Chor sang anschließend das Lied „Mach mich reiner, immer kleiner“ (Chorbuch 238). Apostel Gert Opdenplatz ging dann in der Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl darauf ein. „Mach mich reiner“ ist jetzt das, was der himmlische Vater tue. „Mach mich kleiner“ sei eine eigene Aufgabe. Demut ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Eigene Fehler könne man überwinden oder im Bewusstsein annehmen, dass man der Gnade bedarf – wie der Zöllner, der betete: „Gott sei mir Sünder gnädig“.
Ordination unter Augenzeugen
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls folgte die Ordination der beiden Diakoninnen. Der Chor bereitete die Ansprache mit dem Lied „Ich halte mich Herr zu deinem Altar“ (Chorbuch 389) vor. Apostel Opdenplatz führte aus, dass mit dem Altar nicht der Kasten gemeint sei, der vorne in der Kirche stehe, sondern gemäß dem Brief an die Hebräer sei der Altar, von dem Christen genießen dürfen, niemand anderes als Jesus Christus selbst. An den Altar halten, ermögliche, Wunder Gottes zu erleben. Zu erleben, wie er segnet und wie er durch seine Diener segnet. Auch die beiden Schwestern seien vor Jahren als kleine Täuflinge an den Altar getragen worden. Und wenn man damals den Eltern gesagt hätte, die werden nicht nur als Konfirmandinnen am Altar stehen, sondern werden einmal ein Amt empfangen, hätte man das vermutlich bezweifelt.
Der Apostel führte für die beiden noch ein Wort aus der Heiligen Schrift an: Paulus schrieb an Timotheus: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist. Du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heiligen Schriften kennst“ (2. Timotheus 3,14.15). Die Gemeinde bezeugte durch das Amen die Ordination und nahm die beiden damit als Diakoninnen an.
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