Warum sollte Gott sich um Menschen kümmern, die uns fremd sind, anders denken oder die wir vielleicht sogar als Gegner betrachten? Und woran erkennen wir, dass seine Liebe auch uns ganz persönlich gilt? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Jugendlichen im Jugendgottesdienst des Bezirks Frankfurt. Dazu wurden die Gottesdienstteilnehmenden bereits im Vorfeld angeregt während des Gottesdienstes in ihrer Bibel zu blättern um den Kontext der Bibelstellen zu lesen.
Im Mittelpunkt stand die Geschichte des Propheten Jona. Gott schickt ihn nach Ninive, damit er die Menschen dort zur Umkehr aufruft. Doch Jona flieht zunächst in die entgegengesetzte Richtung. Ninive steht für ein Volk, das Israel feindlich gegenübersteht – und Jona möchte nicht, dass diese Menschen Gottes Gnade erfahren.
Über den bekannten Weg durch Sturm und Fisch gelangt Jona schließlich doch nach Ninive. Die Menschen hören auf seine Botschaft, ändern ihr Verhalten – und Gott verschont die Stadt. Jona reagiert enttäuscht und wütend. Durch die Geschichte einer Pflanze, die ihm zunächst Schatten spendet und dann verdorrt, verändert Gott seine Perspektive: Wenn Jona schon eine Pflanze wichtig ist, wie viel mehr liegen Gott dann die Menschen am Herzen?
Gott gibt Menschen nicht vorschnell auf
Diese Botschaft wurde im Gottesdienst mit den Worten Jesu aus der Bergpredigt verbunden: „Liebt eure Feinde“ und „Richtet nicht.“ Wie schnell stecken wir Menschen in Schubladen, weil sie anders denken, leben oder handeln? Die Geschichte von Jona erinnert daran: Auch der Mensch, den wir vielleicht nicht verstehen oder mögen, ist von Gott geliebt.
Dabei ist Jona selbst das beste Beispiel für Gottes Geduld. Er läuft davon, widersetzt sich seinem Auftrag und verrennt sich in seiner eigenen Vorstellung – und trotzdem bekommt er eine neue Chance. Diese Vergebungsbereitschaft Gottes wurde auch mit Blick auf das Heilige Abendmahl deutlich: Wir dürfen immer wieder neu anfangen und darauf vertrauen, dass Gott den Dialog mit uns nicht abbricht.
„You are not alone“
Wie persönlich Gottes Liebe erfahrbar werden kann, zeigte eine Erinnerung aus der Jugendzeit: In einem Moment großer Einsamkeit lief beim Betreten des eigenen Zimmers im Radio genau der Satz: „You are not alone.“ – Du bist nicht allein.
Ein kleiner Moment – und doch wurde daraus eine ganz persönliche Botschaft Gottes.
Solche Erlebnisse müssen nicht spektakulär sein. Manchmal ist es ein Satz, eine Begegnung, ein Gedanke oder ein Bibelwort im richtigen Augenblick. Wir können aufmerksam dafür sein und die „Wahrscheinlichkeit erhöhen“, Gottes Nähe wahrzunehmen, indem wir den Kontakt zu ihm suchen – im Gebet, in unseren Gedanken, beim Lesen der Bibel und im Gottesdienst.
So blieb am Ende eine ebenso einfache wie herausfordernde Botschaft: Menschen nicht vorschnell verurteilen, bereit sein zu vergeben, zweite Chancen geben und offen bleiben für Gottes Weg.
Denn Gottes Liebe gilt allen Menschen – und gleichzeitig jedem Einzelnen ganz persönlich.
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