Was ist Kirche? Ein Gebäude mit Bänken, Altar und Orgel? Auf dem alten Sportplatz in Friedberg-Ockstadt bekamen rund 100 Kinder am Sonntag, 30. August 2026, beim Kindertag des Kirchenbezirks Frankfurt eine überraschende Antwort: „Du bist Kirche!“
Schon vor Beginn des Gottesdienstes entstand ein erstes gemeinsames Bild: Kinder, Eltern, Großeltern und Helfer gestalteten ein großes Herz. Jeder klebte einen Blütenaufkleber in das Herz. Die verschiedenen Farben standen für die unterschiedlichen Gruppen. Nach und nach füllte sich das Herz. Der Gedanke dahinter: „Wir sind Gottes bunter Blumengarten.“ Viele unterschiedliche Menschen gehören zusammen und bilden eine Gemeinschaft.
Gemeinsam singen – gemeinsam feiern
Vor dem Gottesdienst stimmte sich die bunte Gemeinde bei einer kurzen Ansingprobe ein. Mit dem Lied „Gottes Geist“ wurde die Atmosphäre auf dem Sportplatz ruhiger und feierlicher. Um 10 Uhr begann der Kindergottesdienst mit Bischof Matthias Schäfer.
Im Mittelpunkt stand das Bibelwort aus dem 1. Johannesbrief: „Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.“ Die Gute-Nachricht-Bibel formuliert den Gedanken so: „Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit entsprechen: der Liebe, die Gott uns erwiesen hat.“
Der Bischof machte deutlich, dass er den Gottesdienst nicht allein gestalten wollte. Gemeinsam mit drei Kinderbeauftragten und vor allem mit den Kindern wollte er dem Gedanken des Bibelwortes nachgehen.
Du bist Kirche!
Den Auftakt machte Priester Makarowski im Dialog mit dem Bischof. Die erste Frage richtete sich direkt an die Kinder: Was gehört alles in eine Kirche? Die Antworten überraschten: Gemeinschaft, Gebet und Liebe wurden genannt – und damit Dinge, die weit über Bänke, Altar und Orgel hinausgehen.
Dann kam eine große Kiste ins Spiel, die wie ein Kirchengebäude gestaltet war. Die Kinder kamen nach vorne und durften einen Blick hineinwerfen. In der Kiste befand sich ein Spiegel. Die Idee dahinter war einfach: Die Kinder sollten sich selbst sehen – „Du bist Kirche!“
Doch die Kinder machten aus der vorbereiteten Idee etwas Eigenes. Als sie in den Spiegel blickten, sahen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen Kinder, die neben ihnen standen. Auf die Frage, was sie darin sahen, kam eine unerwartete Antwort: „Gemeinschaft!“
Bischof Matthias Schäfer machte deutlich: Kirche besteht nicht aus Mauern und Steinen. Sie lebt von Menschen, die getauft sind, Gott lieben, anderen Gutes tun und von Jesus erzählen.
Liebe wird sichtbar
Im nächsten Teil des Gottesdienstes sprach der Bischof gemeinsam mit einer Priesterin darüber, wie sich dieser Glaube im Umgang mit anderen Menschen zeigt. Dabei erinnerte er an eine Aussage des Stammapostels: „Wie gut die Kirche ist, sieht man daran, wie sie mit denen umgeht, denen es nicht gut geht.“
Gemeinsam mit den Kindern überlegte der Bischof, wie das im Alltag aussehen kann: Wer sein Pausenbrot mit einem Freund teilt, der seines vergessen hat, hilft nicht allein mit guten Worten. Mitspielen und andere mitmachen lassen, helfen, trösten, vergeben, zuhören oder einen Streit schlichten – all das kann im Alltag bedeuten, Kirche zu sein.
„Kirche sein“ kann überall dort geschehen, wo Menschen einander begegnen: in der Gemeinde, in der Schule oder beim Einkaufen.
Zum Abschluss bekam jedes Kind und jeder Erwachsene eine Karte mit der Aufforderung: „Heute will ich Kirche sein, indem ich …“ Darauf konnte jeder notieren, was er selbst konkret tun wollte.
Kraft für den Weg
Die Kinder haben gehört, was „Kirche sein“ bedeutet. Jetzt stellt sich die nächste Frage: Warum soll man teilen, vergeben, helfen und anderen von Gott erzählen, wenn es manchmal so viel leichter wäre, einfach an sich selbst zu denken? Dieser Frage gingen der Bischof und Diakonin Bischoff gemeinsam mit den Kindern nach.
Die Antwort führte zu Jesus. Christen tun Gutes nicht nur, weil es Regeln oder Erwartungen gibt, sondern aus Liebe zu Jesus und aus dem Wunsch, ihm nachzufolgen. Doch dafür braucht es manchmal Kraft.
Das Bild einer Wanderung machte deutlich, woher diese Kraft kommen kann: Unser Leben ist wie ein Weg. Manchmal ist er leicht, manchmal anstrengend. Wer müde wird, braucht eine Pause und neue Nahrung.
Das Heilige Abendmahl schenkt Gemeinschaft mit Jesus und stärkt für den weiteren Weg – damit Menschen auch dort „Kirche sein“ können, wo es darauf ankommt.
Gemeinschaft auf dem Sportplatz
Nach dem Gottesdienst wurde der Sportplatz zum großen Spielplatz. Bei sonnigem Wetter wurde gemeinsam gegessen, gespielt und viel gelacht.
Ein Kindertaxi mit Anhänger fuhr mit kleinen Fahrgästen über das Gelände. Beim Labyrinth und am Airhockey-Tisch wurde ausprobiert und gespielt, auf dem Fußballplatz gekickt. Auf der Rollenrutsche sausten Kinder allein oder zu zweit hinunter. „Zu zweit geht es schneller“, stellte eines der Kinder fest.
Die jüngeren Kinder durften auf einem roten Traktor mitfahren. Beim Kinderschminken verwandelten sie sich in Einhörner, Katzen, Tiger und Ninjas. Kleine Motive wie Füchse, Marienkäfer und Herzen schmückten Arme und Hände.
Ein Tag, der weitergeht
Am Nachmittag warteten Kuchen, Muffins, Popcorn und Zuckerwatte. Bei Getränken, Gesprächen und Spielen klang der Tag langsam aus.
Was am Morgen mit einem Herz aus vielen einzelnen Blüten begonnen hatte, wurde nun auf dem ganzen Sportplatz lebendig: Unterschiedliche Menschen waren zusammengekommen, hatten miteinander gesungen, gegessen, gespielt, gelacht und Glauben geteilt.
Am Ende war die Antwort auf die Frage vom Morgen klar: Ich bin Kirche! Kirche zu sein bedeutet, den Glauben nicht nur mit Worten zu bekennen, sondern ihn im Alltag sichtbar werden zu lassen.
Kirche sein – nicht nur in die Kirche gehen.
Datenschutzeinstellungen
Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.
Datenschutzeinstellungen
Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.
Einstellungen
Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.
