„Was ziehe ich heute an?" – eine alltägliche Frage. Und doch verrät Kleidung oft mehr über einen Menschen, als ihm selbst bewusst ist: Sie zeigt Haltung und Identität. Auch im Glauben gibt es dieses „Anziehen": Christen kleiden sich wie Christus. Mit diesen Gedanken diente Apostel Opdenplatz am Mittwoch, dem 1. Juli 2026, der Gemeinde Neu-Isenburg. Gemeinsam mit der Gemeinde Sachsenhausen und den per IPTV verbundenen Geschwistern aus Frankfurt-Höchst feierte sie einen Gottesdienst, mit mehrere Amtshandlungen.
Grundlage des Gottesdienstes war das Bibelwort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolosser: „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld" (Kolosser 3,12). Für die festliche musikalische Gestaltung sorgten Orchester und Chor.
Zu Beginn stellte Apostel Opdenplatz die Zusage des Paulus in den Mittelpunkt: Die Glaubenden sind von Gott angenommen. Sie sind seine Auserwählten, Heiligen und Geliebten. Gerade dort, wo Menschen an sich selbst zweifeln oder sich fragen, ob sie noch geliebt sind, gelte Gottes Zusage unverändert: „Gott liebt dich. Auf ihn kannst du dich verlassen. Er wird dich nie verlassen. Du bist von Gott auserwählt, geheiligt und geliebt." Das sei die Identität der Glaubenden.
Kleidungsstücke, die jedem gut stehen
An diese Zusage knüpfte Apostel Opdenplatz das Bild der Kleidung an, das Paulus im Kolosserbrief verwendet. Gott schenkt in der Wiedergeburt aus Wasser und Geist dem Menschen neue „Kleidungsstücke": herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld. Für den Glaubenden gelte es, diese „Kleidungsstücke" im Alltag bewusst anzuziehen.
Herzliches Erbarmen bedeutet, die Not des anderen wahrzunehmen. Der Apostel erinnerte an Jesus Christus, der der Witwe von Nain begegnete und ihr Leid nicht übersah. „Es jammerte ihn", heißt es im Evangelium. Sein Erbarmen blieb nicht beim Mitgefühl stehen, sondern führte zum Handeln. So seien auch Christen aufgerufen, nicht gleichgültig am Leid anderer vorbeizugehen, sondern mitzufühlen und sich dem Nächsten zuzuwenden.
Im Hinblick auf den Gottesdienst für die Entschlafenen unterstrich der Apostel, dass herzliches Erbarmen aus dem Inneren des Menschen kommen möge – aus dem Herzen heraus. Es zeige sich im Eintreten und Fürbitte für den Nächsten.
Freundlichkeit stehe jedem Menschen gut, sagte der Apostel. Oft bleibe dieses „Kleidungsstück" jedoch im Kleiderschrank. Anhand einer Begebenheit mit seinem Enkel zeigte er, wie schon ein freundlicher Blick oder ein Lächeln ansteckend wirken kann.
Demut erkenne im Nächsten einen ebenso von Gott geliebten Menschen und begegne ihm deshalb mit Wertschätzung. Der Apostel erinnerte an das Wort des Paulus: „Einer achte den anderen höher als sich selbst." Wenn es nur dieses eine Gebot gäbe, würde es bereits genügen, das Miteinander zu prägen.
Sanftmut sei heute scheinbar nicht mehr en vogue. Viele Menschen meinen, sich durchsetzen zu müssen. Jesus selbst sei Vorbild wahrer Sanftmut. Am Kreuz habe er selbst im Leiden nicht vergolten, sondern für seine Peiniger gebetet: „Vater, vergib ihnen ..."
Geduld scheine manchen zunächst wie ein übergroßes Kleidungsstück. Dennoch gelte: „Zieh es trotzdem an."
Über allem - die Liebe
Über allem aber solle das Kleid der Liebe angezogen werden. Damit griff Apostel Opdenplatz den Gedanken aus Kolosser 3,14 auf: „Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit."
Mit einer persönlichen Begebenheit aus seiner Familie veranschaulichte er diesen Gedanken: Eines seiner Kinder zog als kleines Kind den Schlafanzug über die Alltagskleidung. Auf den ersten Blick schien alles in Ordnung – beim genaueren Hinsehen wirkte es jedoch etwas seltsam. So könne es auch im Glauben sein. Liebe lasse sich nicht einfach über Neid, Hass oder Unversöhnlichkeit „drüberziehen" – manches müsse zuerst abgelegt werden, weil es nicht zu Christus passe.
Glaube, der sichtbar wird
Gemeinderevangelist Roland Astheimer vertiefte das Bild. Es gebe viele Arten von Kleidung – hochwertige, gebrauchte oder auch schadstoffbelastete. Für Christen sei jedoch entscheidend, sich an Christus auszurichten. Sein Wesen solle das Leben der Glaubenden prägen.
Dabei gehe es nicht darum, christliche Eigenschaften lediglich nach außen zu zeigen. Vielmehr müsse das Äußere mit dem Inneren übereinstimmen. Nur so werde der Glaube glaubwürdig und authentisch. Diese Haltung werde auch in der jenseitigen Welt wahrgenommen. Vielleicht springe dort bei dem einen oder anderen ein Funke über.
Kleidung mit Schadstoffen
Apostel Opdenplatz knüpfte an den Gedanken der schadstoffbelasteten Kleidung an. Auch im geistlichen Leben gebe es Einflüsse, die der Seele nicht guttun. Als Beispiel nannte er manch esoterisches Gedankengut. Umso wichtiger sei die Frage: Womit bekleide ich meine Seele? Was soll meine Identität prägen?
Gott selbst habe den Glaubenden den „Kleiderschrank" gefüllt und alles geschenkt, was sie für ein Leben in der Nachfolge Christi benötigen.
Das Kleid der Braut des Lammes
Das Bild der Kleidung weise zugleich über die Gegenwart hinaus. Mit Blick auf die Wiederkunft Christi erinnerte der Apostel an die Hochzeit des Lammes aus der Offenbarung des Johannes. Dort werde der Braut ein glänzendes und reines Gewand geschenkt – nicht als eigener Verdienst, sondern als Gabe Gottes: „Und es wurde ihr gegeben, sich zu kleiden in Seide, glänzend und rein. – Die Seide aber ist das gerechte Tun der Heiligen" (Offenbarung 19,8).
So verbinde sich Gottes Geschenk mit einem Leben, das von Christus geprägt ist und sich im täglichen Handeln widerspiegelt.
Ruhesetzung
Im Anschluss an die Feier des Heiligen Abendmahls wurde Evangelist Roland Astheimer in den Ruhestand versetzt. Er wurde von seinem Amtsauftrag entbunden, die empfangene Amtsvollmacht bleibt jedoch bestehen. Dadurch ist es ihm künftig gestattet, weiterhin als Seelsorger zu wirken und das Heilige Abendmahl im kleinen Kreis für alte und kranke Geschwister zu feiern.
Vor dem Altar wurde ihm - und auch seiner Frau - für seinen langjährigen Dienst gedankt. Der Apostel würdigte insbesondere seinen Einsatz, der von Treue geprägt war: Kein Weg sei ihm zu weit und kein Dienst zu klein gewesen. Mit offenem Herzen habe er den Menschen gedient und den Einzelnen im Blick behalten.
Ein Bibelwort aus dem Philemonbrief unterstrich diese Wertschätzung: „Denn ich hatte große Freude und Trost durch deine Liebe, weil die Herzen der Heiligen erquickt sind durch dich, lieber Bruder." (Philemon 1,7)
Beauftragung und Ordination
Im Anschluss wurde Priester Lars Klann durch Apostel Opdenplatz als Gemeindevorsteher für die Gemeinde Neu-Isenburg beauftragt. Dabei wurde ihm die Verantwortung für die Gemeinde im Vertrauen auf Gottes Führung übertragen.
Erwin Stannecker wurde als Diakon für die Gemeinde Neu-Isenburg ordiniert. Ihm wurde zugesprochen, sich seiner Berufung gewiss zu sein: dass er von Gott erbeten ist. In diesem Zusammenhang verwies Apostel Opdenplatz auf den 5. Glaubensartikel, nach dem die Amtsträger von Gott selbst für ein Amt vorgesehen sind.
Im Rahmen der Beauftragung und Ordination gab der Apostel den beiden Amtsträgern in Anlehnung an Philemon 1,20–21 folgende Worte mit auf den Weg: „Ja, meine Brüder, gönnt mir, dass ich mich an euch erfreue in dem Herrn; erquickt mein Herz in Christus. Im Vertrauen auf euren Gehorsam schreibe ich euch; [...]."
Welches Kleid trage ich wirklich?
Die Gemeinde ging mit der Zusage nach Hause, von Christus geliebt zu sein, und mit der Ermutigung, sich immer wieder neu an ihm auszurichten und sein Wesen im Alltag sichtbar werden zu lassen: Denn Christen kleiden sich wie Christus.
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Von Frankfurt-Höchst bis Neu-Isenburg
Mit der Versetzung in den Ruhestand am 1. Juli 2026 endet für Evangelist Roland Astheimer (66) ein 45-jähriger ehrenamtlicher Dienst als Amtsträger in der Neuapostolischen Kirche.
Sein kirchlicher Weg begann am 30. Juli 1981 in der Gemeinde Frankfurt-Höchst als Unterdiakon. Am 29. Januar 1984 wurde er von Bezirksapostel Rockenfelder zum Priester ordiniert und am 4. Juni 2000 durch Bezirksapostel Wend zum Gemeindeevangelisten ordiniert und mit der Aufgabe des Gemeindevorstehers beauftragt. Diese nahm er bis zur Fusion der Gemeinden Frankfurt-Höchst, Frankfurt-Griesheim und Frankfurt-Zeilsheim am 6. Januar 2019 wahr und prägte das Gemeindeleben über viele Jahre hinweg.
Von 2008 bis 2009 übernahm Evangelist Astheimer zusätzlich die Aufgabe des Gemeindevorstehers in Frankfurt-Zeilsheim und trug damit zeitweise Verantwortung für zwei Gemeinden zugleich.
Nach der Fusion der Gemeinden blieb er als Evangelist im Gemeindeleben tätig und diente als Vorstehervertreter des neu eingesetzten Höchster Gemeindevorstehers.
Am 18. November 2020 wurde ihm dann die Leitung der Gemeinde Neu-Isenburg anvertraut. Dort diente er bis zu seinem Ruhestand in Treue und Verlässlichkeit.
Die Gemeinden blicken dankbar auf 45 Jahre seines segensreichen Wirkens zurück und wünschen Evangelist Roland Astheimer für den neuen Lebensabschnitt Gottes reichen Segen.
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