Bezirksapostel Stefan Pöschel feierte am 12. August 2026 gemeinsam mit Apostel Gert Opdenplatz in Frankfurt-Nord einen Gottesdienst für den Kirchenbezirk Frankfurt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Dankbarkeit auch in schwierigen Lebenssituationen zu einer tragenden Haltung des Glaubens werden kann. Wie zuvor angekündigt, wurde Priester Hendrik Mittelmann als neuer, weiterer Bezirksvorstehervertreter ernannt.
Parallel zur Sonnenfinsternis versammelten sich die Mitglieder der Gemeinden Bad Homburg, Bad Vilbel, Kelkheim und Frankfurt-Nord zum Gottesdienst. Ein großer gemischter Chor gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit. Für weitere Gemeinden des Bezirks sowie erkrankte Gemeindemitglieder wurde der Gottesdienst per IPTV übertragen.
Das Eingangsgebet von Bezirksapostel Stefan Pöschel war von Dankbarkeit, Vertrauen und der Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi geprägt. Angesichts von Not, Leid, Zukunftsängsten und mancher Perspektivlosigkeit bat er Gott darum, neue Horizonte aufzuzeigen.
Dankbar in allen Lebenslagen
Grundlage der Predigt war Epheser 5,20: „Und dankt Gott, dem Vater, alle für alles. Im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“
Bezugnehmend auf das Chorlied „Ich brauch dich allezeit“ stellte Bezirksapostel Pöschel Jesus Christus in den Mittelpunkt. Der Mensch sei auf Christus angewiesen. Diese Abhängigkeit sei jedoch keine Schwäche, sondern Ausdruck eines bewussten Glaubens und des Vertrauens auf Gottes Souveränität.
Christen kommen mit unterschiedlichen Erwartungen in einen Gottesdienst: Sie suchen Antworten auf Fragen des Glaubens, praxisnahe Orientierung für den Alltag oder persönliche Nähe zu Jesus Christus. Der Text aus dem Epheserbrief verbinde diese Aspekte, so der Bezirksapostel. Das Kapitel beschreibe die Größe Gottes, seine Beziehung zum Menschen, die Bedeutung Jesu Christi und gebe zugleich praktische Hinweise für das tägliche Leben.
Dankbarkeit als bewusste Entscheidung
Im Zentrum stehe dabei die eigene Grundhaltung. Apostel Paulus gibt einen scheinbar einfachen, zugleich aber anspruchsvollen Rat: Versucht es mit Dankbarkeit, und fordere dazu auf, Gott „allezeit“ und „für alles“ zu danken. Dankbarkeit sei damit mehr als eine spontane Reaktion auf glückliche Momente. Sie solle zu einer bewussten, tragenden Haltung werden.
Das zeige sich gerade in schwierigen Zeiten. Schnell erinnere man sich an besondere Ereignisse, bei denen Gottes Hilfe erfahrbar war, die Predigt lenkte den Blick aber auf die unscheinbaren Gaben des Alltags: den Atemzug, Nahrung und Wasser, Familie und Freundschaften sowie die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Aus christlicher Sicht seien besonders der Glaube, die Gemeinde, die Verkündigung des Evangeliums, die Sakramente und die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi wertvolle Gründe zur Dankbarkeit.
Das Wort des früheren Stammapostels Fehr „Wer denken kann, muss danken“ bringe diesen Gedanken auf den Punkt. Wer bewusst über sein Leben und Gottes Wirken nachdenke, könne auch in schwierigen Zeiten Gründe zur Dankbarkeit entdecken. Dankbarkeit sei dann keine spontan aufwallende Emotion, sondern eine bewusste Entscheidung und geistige Haltung.
Gott hört immer
Jesus Christus selbst ist der tiefste Grund für Dankbarkeit. Auf das persönliche Bekenntnis „Ich brauche dich“ antwortet Christus mit der Zusage: „Ich bin für dich da.“ Wer sich diese Nähe Gottes immer wieder bewusst mache, werde auch schwierige Situationen aus einer anderen Perspektive betrachten. So wird Dankbarkeit zu einer praktischen Hilfe für den Glaubensalltag, so der Bezirksapostel.
Erfahrung lehrt Dankbarkeit
Apostel Gert Opdenplatz ergänzte die Predigt mit einer persönlichen Erfahrung. Als Jugendlicher sei ihm die Aufforderung, bereits für das Licht oder den eigenen Atem dankbar zu sein, eher übertrieben erschienen. Eine spätere Erfahrung auf der Intensivstation habe seinen Blick darauf verändert. Wer selbst einmal um Luft ringen musste, wisse um den Wert eines scheinbar selbstverständlichen Atemzugs. Ähnlich verhalte es sich mit vielen kleinen Dingen des Alltags: Erst wenn etwas fehle, werde einem bewusst, welchen Wert es besitze.
Auch die Geschichte von Lazarus führte Opdenplatz als Beispiel an. Jesus habe angesichts von Tod und Trauer seinem Vater gedankt. Daraus lasse sich die Gewissheit gewinnen: „Gott hört immer.“ Auch wenn einem selbst die Worte fehlten, kenne Gott den Menschen und bleibe ihm auch in schweren seelischen oder persönlichen Krisen nahe.
Bezirksapostel Pöschel führte diesen Gedanken anschließend weiter. Die Aufforderung, „Gott dem Vater allezeit für alles“ zu danken, bedeute nicht, Leid gutzuheißen oder schwierige Situationen als angenehm zu empfinden. Gemeint sei vielmehr der Dank an Gott, der über Christus geht: „Der ist notwendig, denn Jesus wendet alle Not.“
In der Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl sagte er: „Jesus hat aus seiner Liebe heraus die Not des Menschen selbst auf sich genommen und ist bis zum Kreuz gegangen.“ Sein Opfer sei damit der stärkste Grund christlicher Dankbarkeit.
Neue Unterstützung für die Bezirksleitung
Ein weiterer Schwerpunkt des Gottesdienstes war die Ernennung von Priester Hendrik Mittelmann zum Bezirksvorstehervertreter. Er wird künftig gemeinsam mit Bezirksevangelist Peter Blum und Priester Nicola Krieg den Bezirksvorsteher, Hirte Christopher Groß, unterstützen.
Die musikalische Einleitung der Ernennung übernahm der Chor mit einer besonderen Interpretation des Liedes „Nimm du mich ganz hin“, begleitet von einem Solo. Der darin enthaltene Gedanke „Ich bin der Töpfer, du bist der Ton“ wurde zum Bild für den neuen Dienst im Bezirksamt: So wie Ton geformt und weiterentwickelt werde, mögen auch neue Aufgaben dazu beitragen, Erfahrungen neu einzuordnen und sich von Gott weiter in Demut formen zu lassen. Im Gebet bat der Bezirksapostel um reichen Segen für die neue Aufgabe und erbat die Zusage Gottes, dass auch seine Familie und sein persönliches Leben von Gottes Fürsorge begleitet werde.
Bezirksapostel Pöschel gab Priester Mittelmann ein Wort aus 1. Petrus 4,10 mit, wo es sinngemäß heißt „Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat – jeder und jede mit der eigenen, besonderen Gabe!“ Im Mittelpunkt eines solchen Dienstes stehe nicht die eigene Person, sondern das gemeinsame Dienen zum Wohl des Nächsten.
Hendrik Mittelmann stammt aus Jena und lebt heute mit seiner Frau und den beiden Kindern in Sulzbach. Sein erstes geistliches Amt empfing er 2006 als Diakon. 2011 wurde er zum Priester ordiniert. Nach seiner Tätigkeit in Bad Soden wirkt er seit 2019 in Kelkheim und ist dort seit 2022 als Gemeindevorsteher tätig. Diese Aufgabe wird er zunächst weiter wahrnehmen.
Nach dem Schlussgebet hatten die Anwesenden die Möglichkeit, sich zu verabschieden und Priester Mittelmann ihre Wünsche auszudrücken.
13. August 2026
Text:
Regina Hoffmann
Fotos:
Werner Ruppe
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