Karfreitag und Ostern - Dunkel und Licht liegen oft nahe beeinander. Das hat uns die gerade durchlebte Osterzeit mit ihren Gottesdiensten wieder vor Augen geführt. So zeigt uns auch die Corona Krise dunkle und lichte Seiten auf. Mit diesem Thema hatten sich Jugendliche und einige Geschwister der Gemeinde Bad Vilbel vor Ostern beschäftigt.
Es scheint dunkel, denn ...
viele Menschen sind von Angst um ihre Gesundheit, um das wirtschaftliche Auskommen, um ihre Existenz erfüllt. Viele fühlen sich einsam. Die Gefahr in Depressionen zu fallen steigt, es fällt schwer, auf positive Gedanken zu kommen, wenn man traurig, einsam oder besorgt ist. Bilder von den Auswirkungen der Krise werden in den Medien täglich vor Augen geführt, steigende Zahlen von Infizierten beherrschen so manches Gespräch.
Ein Virus beraubt uns so vieler Selbstverständlichkeiten. Sogar Einkaufen von ganz alltäglichen Dingen ist nicht mehr garantiert, man darf sich nicht mehr zu nahe kommen, trägt vielleicht sogar einen Mundschutz. Der Alltag hat sich von einen auf den anderen Tag vollkommen verändert. Das betrifft auch unser Glaubensleben: Gottesdienste in unseren Kirchen, Gemeinschaft mit den Glaubensgeschwistern, all das ist nicht möglich. Die Feier des Heiligen Abendmahls fehlt uns sehr.
... und doch wird es licht
Auf der anderen Seite erlebt man, dass die Umweltbelastung so gravierend sinkt, dass in Venedigs Kanälen wieder Fische schwimmen, manche Menschen in in China zum ersten Mal einen blauen Himmel erleben. Es gibt viel weniger Verkehr auf den Straßen. Plötzlich achten die Menschen auf Hygiene, man kauft bewusster ein, beginnt selbst zu kochen und zu backen und ernährt sich gesünder. Sogar arbeiten und lernen von zu Hause funktioniert auf einmal und ermöglicht mehr persönlichen Freiraum. Viele haben mehr Zeit und realisieren, wie gut diese Entschleunigung Leib und Seele tut. Familien rücken wieder in den Mittelpunkt und man findet Zeit und Interesse an Gemeinsamkeiten. Man tut ganz bewusst Gutes. Viele Hilfsprojekte werden möglich, plötzlich denkt man an die Nachbarn, die Älteren, schreibt wieder Briefe, intensiviert Kontakte auf vielfältige und kreative Art und Weise.
Dankbarkeit - die besondere positive Corona-Nebenwirkung
Wie dankbar ist man auf einmal, Gottesdienste online erleben zu können – sogar von Aposteln gehalten. Vielfach hört man, dass man sie intensiver erlebt, vielleicht, weil es nicht so selbstverständlich ist, wie man es zuvor angenommen hat. Angehörige erleben diese Gottesdienste mit und es ergeben sich auf einmal Glaubensgespräche, für die man vorher vermeintlich keine Zeit oder vereinzelt auch keinen Mut hatte. Man findet mehr Zeit und erkennt den Wert, das Gebet zu intensivieren. Angebote von Jugendandachten stoßen auf Interesse, man motiviert sich gegenseitig und sucht nach Lösungen, Kontakte auf neuen Wegen zu pflegen. Es wird zur Gewissheit, dass die Gemeinde zusammenhält, einer für den anderen da ist, jeder sich mit seinen Fähigkeiten einbringt. Den Wert des Heiligen Abendmahls schätzen wir mehr als zuvor, da es uns so selbstverständlich schien.
Dies ist sicher nur ein Bruchteil der Eindrücke, die wir ohne die Corona-Krise vielleicht nie so bewusst erlebt hätten.
Wir haben viel Zeit zum Nachdenken. Viele von uns verbringen auch viel Zeit alleine. Da wird uns auf einmal ganz neu bewusst, WAS und vor allem WER im Leben und im Glauben wirklich wichtig ist. Vieles, was wir oft als selbstverständlich hinnehmen, bekommt eine ganz neue Bedeutung für unser Leben.
Im Ostergottesdienst haben wir erneut erfahren: Wir brauchen uns nicht zu fürchten, das Vertrauen zu Gott schenkt uns täglich neu Licht der Sicherheit und Grund zur Dankbarkeit.
- Gesammelte Gedanken der Jugend -
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