Ein ganz besonderes Gepräge hatte der Gottesdienst am 17. September in Friedberg: Petra und Willi Fischer feierten mit der Gemeinde ihre Goldene Hochzeit.
„Mit dir, o Herr, verbunden“ – mit diesem Lied aus dem Gesangbuch Nummer 189 begann die Gemeinde den Gottesdienst. Das Bibelwort stand in Matthäus 6, 3.4: „Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“
Das Bibelwort beschreibe, wie man ein gottgefälliges Leben führe, begann der Vorsteher den Gottesdienst. Auch in Hinblick auf die langjährige Ehe des goldenen Brautpaares sei dies ansetzbar. Als Eheleute macht man oft Dinge ohne Wissen des Partners (die Linke für die Rechte), ohne dabei auf Ruhm oder Ehre abzuzielen. Dies sei auch nie im Sinne Jesu. Jesus Christus lehrte, dass die guten Taten in der rechten Herzensstellung entscheidend sind. Im Irdischen ginge es dabei oft um Berechnung (was habe ich davon?), aber im Geiste Gottes heißt es, allein aus dem Dienen für den anderen gute Taten zu vollbringen.
Geben und nehmen
Der Vorsteher betonte an dieser Stelle nochmal eine Textpassage des gesungenen Chorliedes: „Ich bin bereit und diene gern!“ Er verband damit die Frage an die Gemeinde, ob das immer so sei. Gern zu dienen sei keine Selbstverständlichkeit, oft koste es viel Überwindung, zu dienen.
Als Nächstes sprach der Vorsteher über die Eigen- und Nächstenliebe, die in Balance sein muss. Als Beispiel nannte er in einer Beziehung, wenn ein Mann etwas tut, dass vielleicht schon seit langem angesprochen war, wie beispielsweise den Müll rausbringen. Für den Mann ist das in dem Moment vielleicht eine tolle Leistung. Aber vielleicht war das schon länger von der Partnerin erbeten und auch sie tat einiges im Verborgenen. Wichtig sei, dass Geben und Nehmen immer möglichst im gleichen Maße von beiden Partnern vorhanden sind. Der Vorsteher fragte „Nimmst du nur oder gibst du nur?“
In der Vorbereitung auf den Gottesdienst hatte der Vorsteher die bekannte Begebenheit um Jesus gelesen, in der der Gottessohn am Ende feststellt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,40). Der Dienstleiter ging auf zwei Gruppen ein: Die Kranken und diejenigen, die im Gefängnis sitzen. Bei beiden sagte Jesus nicht, dass man diejenigen gesund gemacht oder befreit habe. Allein der Besuch sei das Wesentliche. Jesus verlange keine Wunder von uns, sondern das, was man leisten könne.
Nicht immer bequem
Der Vorsteher ging nochmal auf die Ehe ein: Wenn einer der beiden Partner nie zuhört und nur macht, was er oder sie will, sei das sehr schwierig. Genauso verhalte es sich auch mit dem Glauben: Es gehe nicht darum, immer das zu machen, was einem gerade passt, und die unbequemen Themen lässt man unter den Tisch fallen. Der himmlische Vater spreche auch die Dinge an, die es noch zu verändern und zu verbessern gilt. Man müsse auch nicht alles immer schönreden, sondern könne offen Dinge anzusprechen.
Das Eingangslied war ein Wunsch des Bräutigams. In der zweiten Strophe geht es um den Schmerz und wie man in schwierigen Zeiten zusammensteht. Nach 50 Jahren Ehe reiche da oftmals nur ein Blick, um das beim Partner zu erkennen, sagte der Vorsteher. Auch das Vertrauen in einer Ehe zueinander und zu Gott sei immens wichtig. Viele hätten schon die Erfahrung gemacht, dass auch wenn der himmlische Vater nicht sofort helfe, das Vertrauen in ihn wichtig sei. Er wird’s dennoch wohlmachen!
Nur die Liebe zählt
Für die Christen gilt es Glauben und Vertrauen für gute Taten zu nutzen, sagte Priester Fürst im Predigtbeitrag. Jesus sei es nicht darum gegangen, zu schauen, wer, was und wann Gutes getan habe. Es sei stets um die Hilfe gegangen, die angeboten wurde. Diese sollen allein aus der Liebe gegeben werden. So verhalte es sich auch bei Eltern mit ihren Kindern. Egal, was das Kind vielleicht verkehrt gemacht hat, die Eltern werden dem Kind aus Liebe immer nur Gutes tun wollen.
Wenn es zur Sündenvergebung gehe, könne nichts aus Berechnung erfolgen: „Wenn ich das oder jenes tue, wird mir das in der und der Form vergolten.“ Vergebung könne allein aus der Liebe gegeben werden. Das Abendmahl sei für alle Menschen da, es gebe keine Ausnahme.
Hab‘ ich nur deine Gnade
Im Vorhinein hatte der Vorsteher das Jubelpaar gebeten, dass jeder fünf Dinge aufschreibt, die er oder sie an dem anderen liebe. Dabei kamen wirklich ergreifende Ergebnisse heraus, berichtete der Vorsteher. Er erinnerte an das Bibelwort, das die beiden zur Trauung bekommen hatten: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgestreckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Jesus Christus“ (Philipper 3, 13.14). Das gelte es auch nach 50 Jahren weiter fortzusetzen.
Für den heutigen Tag gab der Vorsteher den beiden ein Bibelwort aus Psalm 68, 20 mit: „Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ Es habe so manche Last in der zurückliegenden Zeit gegeben, aber die beiden haben sich immer auf Gott verlassen. Sie seien dem anderen gegenüber immer hilfsbereit gewesen. Seit sie ein eigenes Haus gebaut hatten, war für die Lieben immer eine offene Tür vorhanden. Alle, die willkommen waren, seien nun auch zur Handlung da. Nach diesen Worten gab der Vorsteher dem Brautpaar den Segen zur Goldenen Hochzeit.
Im Anschluss beendete er den Gottesdienst mit Gebet und Schlusssegen.
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